Sonntag, 20. November 2011

#11 Nacht riecht wunderbar frei



Ich ziehe noch ein letztes mal an meiner Kippe und trete sie dann am Boden aus, wir haben die Tür fast erreicht, die Musik schlägt uns bereits entgegen. Genau das was ich heute Nacht brauche. Vergessen, einfach alles vergessen. Meine Beste greift nach meiner Hand, wir drängeln uns weiter nach vorne, 5 Minuten später sind wir endlich innen. Es hat sich absolut gelohnt, die Stimmung ist jetzt schon gigantisch. Wir grinsen uns an, während wir unsere Jacken ausziehen. "Los geht's", schreit sie mir über die Musik hinweg zu und wir bahnen uns einen Weg durch die Menge. Ich fühle mich unwohl in meinem Top, den linken Arm voller frischer Narben, um den rechten einen Verband. So habe ich mich noch nie gezeigt. Plötzlich spüre ich kräftige Hände an meiner Taille, Atem an meinem Ohr und eine vertraute Stimme flüstert "Endlich bist du da.." Mit einem Freudenschrei falle ich meinem besten Freund um den Hals, wir haben uns Ewigkeiten nicht mehr gesehen. Während er mir einen Kuss auf die Wange drückt atme ich seinen vertrauten Duft ein und fühle mich in seinen Armen wohl und sicher. "Du siehst gut aus", grinst er mich an. "Aber was war dafür der Grund..?" Er stupst meinen Verband an. Mein Lächeln verschwindet für einen kurzen Moment. "F.", anworte ich. "Aber ist egal. Heute Nacht bin ich zum vergessen hier. Komm lass uns was zu trinken holen sonst überleb ich das hier nicht." Lachend folgen ich und S. ihm zur Bar. "Was willst du?" fragt er und holt seinen Geldbeutel aus der Hosentasche. "Tequila, Vodka, total egal. Hauptsache was hartes", sage ich und fange wegen seines Gesichtsausdrucks schon wieder an zu lachen.
Der erste Schluck Alkohol weckt sofort die Erinnerungen an F. und unsere letzte Nacht. Nicht umsonst habe ich seitdem keinen Tropfen mehr angerührt, ich wusste das das so sein würde. Doch heute Nacht bin ich bereit dafür, heute Nacht ist alles egal. Nach kurzer Zeit zeigt der Alkohol schon seine Wirkung, genau so wie ich es haben wollte. In diesem Zustand ist alles so viel einfacher zu ertragen. 
Beim Aufstehen fängt alles an sich zu drehen, ich kann nicht mehr klar sehen. Genau so war es mit F. Während wir uns auf den Weg zur Tanzfläche machen schiebe ich den Gedanken bei Seite. Heute genieße ich mein Leben. Auf der Tanzfläche ist es verdammt voll, alle drängen sich dicht an dicht, aber die Musik ist auch wirklich gut. Lachend lehne ich mich an meinen Besten, spüre wie den Bass meinen Herzschlag kontrolliert und lasse mich einfach fallen, lasse alles los und denke nur noch "Egal.. heute ist alles egal."
Als wir später durch die kalte Nachtluft laufen, auf dem Weg zum Bahnhof sage ich mit einem Seufzen "Das müssen wir unbedingt öfter machen!" "Ja unbedingt.." antwortet mein Bester und greift nach meiner Hand. So könnte das Leben immer sein.


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