Montag, 16. Juli 2012

#51 Überleg immer, was du zu verlieren hast.

Meine Finger auf der Tastatur erstarren, genauso plötzlich wie mein Lachen. Aus den Augenwinkeln sehe ich, wie auch du dich neben mir anspannst, scharf ausatmest. Wir beide starren mehr oder weniger geschockt auf das kleine Kästchen, "F. möchte mit dir befreundet sein". Tausend Gedanken auf einmal rasen durch meinen Kopf, ich spüre mein Herz schneller schlagen. Ist es Hoffnung? Über ein halbes Jahr ist es nun schon her, dass ich F. gelöscht habe, wegen dir. Man muss eben Prioritäten setzen, anders funktioniert keine Beziehung. Man muss sich entscheiden, was einem wirklich wichtig ist. Doch auch wenn man sich schon längst entschieden hat und gelernt hat, mit dieser Entscheidung umzugehen, heißt das noch lange nicht, dass es andere Menschen auch tun. Ich verliere mich in meinen Gedanken, blende dich neben mir völlig aus. Was will F. jetzt plötzlich von mir? Meint er es nun doch wirklich ernst? Will er sich noch einmal entschuldigen? Es würde mich wirklich interessieren, die Hoffnung wir könnten doch wieder normal miteinander umgehen, einfach befreundet sein, ist zu groß. Würdest du nicht neben mir sitzen, wäre die Entscheidung längst gefallen. Doch nun registriere ich dein unterdrücktes Schluchzen, deine zitternde Hand auf meinem Bein. Ich wende mich dir zu, blicke in deine schmerzerfüllten Augen. "Bitte, bitte Schatz, tu es nicht", flüsterst du mit brüchiger Stimme. Ich ertrage es nicht dich so zu sehen. Ich setze ein gespieltes Lächeln auf, täuschend echt, und beschwichtige dich mit den üblichen Worten, dass du dir wirklich keine Sorgen machen brauchst, bevor ich auf ablehnen klicke. Ich wende mich wieder dir zu, küsse dich auf deine nassen Wangen und kuschel mich an dich. "Alles ist gut..", flüstere ich. Und doch.. als du abends weg bist, ändere ich meine Einstellungen, dass F. mir eine Nachricht schicken könnte, wenn er wollte. Ich fühle mich schlecht dabei, fühle mich, als würde ich dich hintergehen. Doch manche Entscheidungen sind eben doch nicht endgültig. Ein kleiner Hauch Hoffnung bleibt immer zurück, auch wenn man noch so sehr versucht, ihn zu unterdrücken.


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