Montag, 23. Januar 2012

#38 Ich hab für dich gekämpft, als wärst du mein ganzes Leben.



Die Tür fällt hinter mir ins Schloss, erschöpft sinke ich auf den Boden. Die Tränen, die sich den ganzen Tag schon versuchen einen Weg nach außen zu bahnen, kann ich nun nicht mehr zurückhalten. Manchmal muss man einsehen, dass man sich selbst überschätzt hat, dass man sich belogen hat. Ich hatte wirklich daran geglaubt, das alles vergessen zu können, einfach bei null anfangen zu können. Gott, wie naiv kann man denn sein? Ich kneife die Augen zusammen, drücke die Fingerspitzen gegen meine Schläfen - es hilft nichts. Mit voller Wucht schlage ich meinen Kopf gegen die Wand, danach die Faust, die andere Faust - es hilft nichts. Nichts hilft, absolut gar nichts. Diese Gedanken krieg ich nicht aus meinem Kopf, egal was ich mache. Diese Bilder erst Recht nicht. Warum also nicht gleich nachgeben? Warum nicht für ein paar Augenblicke wieder in die Vergangenheit zurückkehren? Warum nicht kurz wieder frei sein? Ich bin viel zu erschöpft um länger standhalten zu können. Langsam schließe ich die Augen. Sofort spüre ich seine Berührungen, seine Hände an meiner Taille, an meinem Hals, in meinen Haaren. Ich blicke in seine so unglaublich atemberaubenden Augen, stundenlang könnte ich von ihnen schwärmen. Sein Lachen, ich werde es nie vergessen, heute noch habe ich es in den Ohren, wenn ich nur an ihn denke. Ich erinnere mich, wie es sich anfühlte, seine Hand in meiner, so unglaublich richtig und doch so falsch. Ein Lächeln huscht über meine Lippen, wie ich so auf dem Boden liege, mit den getrockneten Tränen auf den Wangen. An jede noch so unbedeutende Kleinigkeit an ihm kann ich mich erinnern. Ich denke daran, wie er seine Zigarette in der Hand hält, wie er daran zieht, wie er mich danach küsst.. Seitdem kann ich keine rauchen, ohne daran zu denken, ohne an ihn zu denken. Nie hätte ich gedacht, dass ich diese Zeit so vermissen könnte. Dieses unvernünftig sein, frei sein, einfach nur in den Tag hinein leben, alles nehmen, wie es gerade kommt. Aber jetzt, wo es vorbei ist, nie mehr wiederkommt, fehlt es mir so schrecklich. Er fehlt mir so schrecklich. Ich habe alles, was ich mir immer gewünscht habe, ich habe einen perfekten Freund und doch will ich zurückkehren in die Vergangenheit, wo ich nichts hatte, nichts auf Garantie, kein Versprechen war sicher. Doch damals war er bei mir. Das macht den Unterschied.

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