Ich weiß nicht ob das eine meiner kranken Eigenarten ist, oder ob es anderen auch so geht, jedenfalls sind es die schlechten Momente, ja eigentlich könnte man sie schon fast als traumatisierend bezeichnen, die mich zufrieden stellen, die mich am Leben halten. Den Schmerz zu spüren, sich selbst wieder spüren, wissen, dass man wirklich noch am Leben ist. Vielleicht bin ich sogar süchtig nach diesem Schmerz, ich weiß es nicht, es fühlt sich jedenfalls so an. Sie sind so magisch diese Momente, brennen sich so sehr in mein Gedächtnis ein und übertreffen somit die schönen Erlebnisse um Weiten. Zur Zeit, oder besser gesagt seit F. aus meinem Leben verschwunden ist, gibt es nur noch schöne Ereignisse. Eigentlich genau das, was sich jeder wünscht, dass eben alles einfach perfekt läuft. Ich dachte auch immer, dass es das ist, was ich will, doch jetzt, wo ich es habe merke ich, dass es eben nicht so ist. Sie fehlen mir schrecklich, diese schlechten Momente. Und deshalb, genau deshalb fehlt mir F. so sehr, weil ich all diese Momente wegen ihm erlebt habe. Ich erinnere mich als wäre es gestern gewesen an diese eine Nacht, unsere letzte Nacht, den 30. September 2011. Ich kann mich an jedes Gefühl erinnern, jede Empfindung. An meine Angst, als er mich von sich stieß, ich in seine kalten Augen blickte. An die Verzweiflung in meiner Stimme, als ich immer und immer wieder seinen Namen sagte, flüsterte, schrie. Ich erinnere mich an seine letzten Worte, ich erinnere mich daran, wie ich regungslos dastand und ihm nachblickte, ein letztes mal seinen Namen flüsterte und dann rannte, rannte, rannte, einfach nur rannte. Wie ich auf der Parkbank saß, mir die Seele aus dem Leib weinte, schrie. Es war stockdunkel, aber es war nirgends in mir ein noch so kleiner Hauch von Angst, ich stand einfach nur unter Schock. All diese schrecklichen Gefühle haben sich in meinem Kopf eingebrannt, sind auf meinen Armen verewigt. Ja, die Wochen danach waren schlimm, sehr schlimm. Ich habe mir die Arme aufgeschlitzt wie nie zuvor, habe tagelang nur geweint. Ich kann mir vorstellen, dass es sich für andere absolut schrecklich anhört und ich weiß, dass es absolut krank ist das zu sagen, aber .. Ich wünsche mir nichts sehnlicher als diese Zeit zurück.

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