Samstag, 2. Februar 2013

#56 There are people who aren't meant to fit into your life no matter how much you want them to.

Ich kann nicht von mir behaupten, dass ich nie versucht hätte uns zu retten. Noch Monate nachdem du mich aufgegeben hattest habe ich immer noch an uns geglaubt, wäre immer noch ohne zu zögern zu dir zurückgekommen. Kannst du dich überhaupt noch daran erinnern was ich in all der Zeit für dich getan habe ohne eine Gegenleistung zu erwarten? Ich war deine gute Freundin mit einem offenen Ohr, wenn du eine Freundin brauchtest. Ich war deine Geliebte mit der du Spaß haben konntest, wenn du eine Geliebte brauchtest. Ich habe mich immer an dich angepasst. So oft saß ich neben dir unter unserer Brücke wenn jeder andere vor dir Angst gehabt hätte weil du so wütend und aggressiv warst. Einmal habe ich sogar die Glasscherben um dich herum eingesammelt und in den Fluss geworfen, weil ich so Angst um dich hatte. Weißt du das noch? Sogar als unsere Zeit schon längst vorbei war, du eine Freundin hattest, haben wir oft heimlich geschrieben, du hast mir von deinen Problemen erzählt. Meistens waren es Probleme mit ihr, doch habe ich dir jemals geraten sie zu verlassen? Nein, ich habe dich immer bestärkt um sie zu kämpfen, weil ich das beste für dich wollte. Obwohl ich dich noch immer liebte. Als du dann schließlich hunderte Kilometer weit weg warst in dieser WG für schwer erziehbare Jugendliche in die du einfach mal so eben über Nacht ohne dass ich es wusste verfrachtet wurdest haben wir jeden Abend telefoniert, auch wenn ich schon längst hätte schlafen sollen. Du hast mir von deinem Leben dort erzählt, von anderen Mädchen. Oh Gott ich war so eifersüchtig, aber ich habe nie etwas gesagt. Eines Abends bevor wir auflegten sagtest du mit leiser Stimme zu mir "Danke, dass du immer noch an mich glaubst.". Ich glaube das war so ziemlich das schönste was du jemals zu mir gesagt hast. Ich denke sehr oft an diese Zeit zurück, in der wir glücklich zusammen waren, obwohl wir nicht mal ein Paar waren. Es war einfach dieses stille Abkommen zwischen uns, nie ausgesprochen und trotzdem immer präsent. Was ist nur aus uns geworden? Wie konnte es jemals so weit kommen?
Ich stehe vor meinem Drucker, während ich mir diese Gedanken mache. Schließlich liegen sieben weiße Blätter, bedruckt mit winzigen schwarzen Buchstaben vor mir. Ich hätte nicht gedacht, dass es so viel sein würde, zum durchlesen würde ich bestimmt mindestens eine viertel Stunde brauchen. Vorsichtig falte ich die Blätter, einmal, zweimal. Dann ziehe ich meine Sockenschublade auf, wühle mich bis zum Boden und ziehe mein Tagebuch hervor. Die Blätter bekommen einen Ehrenplatz ganz hinten in der kleinen Tasche im Buchdeckel. Ich streiche noch kurz über den abgegriffenen Einband, dann vergrabe ich es wieder. 
Ich weiß nicht warum ich diese Erinnerungen aufgeschrieben habe, die Erinnerungen an unsere letzte Nacht. Es wäre sinnvoller gewesen all unsere schönen Erinnerungen festzuhalten, doch ich wählte unsere letzte Nacht. Als ich in den letzten Monaten immer wieder versuchte im Kopf alles nachzustellen, fiel mir auf dass ich mit jedem Tag weniger davon in Erinnerung behielt, es fühlte sich immer befremdlicher an, als hätte ich es nicht selbst erlebt. Ich brauchte einfach einen schriftlichen Beweis dafür, den ich auch noch in zehn Jahren durchlesen kann und weiß, dass ich nicht verrückt geworden bin. Es tut mir Leid F., dass ich mich ausgerechnet an dieses Erlebnis erinnern will, aber es war das einprägsamste das wir hatten, das, das alles veränderte. Ich will nicht mehr, ich habe lange genug gekämpft.




Keine Kommentare: